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Ich habe versucht, günstig LAN-Dosen in die Wand zu verlegen. Es ging ständig schief, aber am Ende hat es geklappt.

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メナ

Hallo, hier ist Mena (@menachite), Hybrid-Ingenieur für Mechanik und Elektrik.

Ich habe mir kürzlich einen neuen High-End-PC gekauft. Ein wirklich schönes Gerät.
Ich arbeite nicht im Homeoffice, wollte aber endlich mal ein paar größere Projekte mit ordentlicher Hardware angehen. Es gab nur ein Problem.

Mein WLAN zuhause ist quälend langsam.
Also beschloss ich, eine feste Ethernet-Verbindung zu verlegen. Nur leider hat mein Haus nirgendwo eine LAN-Dose an der Wand – ich habe es gebraucht gekauft, und Verkabelungspläne gibt es auch keine.

Ein Angebot vom Elektriker für eine einzige zusätzliche Dose lag bei umgerechnet etwa 140€ – viel zu teuer für eine Dose. Also habe ich beschlossen, es selbst zu machen. Das ist die Geschichte, wie ich günstig LAN-Wanddosen in meinem Haus nachgerüstet habe.

目次

Schritt 1: Die Einkaufsliste

Eine an der Wand montierte LAN-Anschlussdose

Zuerst habe ich die Struktur des Hauses untersucht. Die Verkabelung verläuft größtenteils durch den Dachboden, dann runter in die Wände und endet in der Nähe der Steckdosen. Ich wollte vom Dachboden aus Kabel zu zwei Zimmern auf der router-fernen Seite des Hauses verlegen (je rund 10m), also kaufte ich ein 30m-Kabel und schnitt es in zwei Stücke – plus Reste für ein paar kurze Patchkabel.
Amazon war mit Abstand die günstigste Bezugsquelle für alles.

Bei der Kabelauswahl habe ich gelernt, dass es verschiedene Ethernet-Kategorien gibt – Cat5e, Cat6, Cat6A. Cat6A ist neuer und etwa 10x so schnell wie Cat6, also habe ich im Zweifel zur schnelleren Variante gegriffen.

Für die Wanddose selbst braucht man ein Anlegewerkzeug, um die Adern einzudrücken, also habe ich ein Set gekauft, das eines enthält, plus ein Ersatz-Buchsenmodul.

Für die Abdeckung über der fertigen Dose einfach eine Einfachrahmen-Steckdosenblende nehmen, die zum jeweiligen lokalen Elektrostandard passt – Rahmen- und Dosenmaße unterscheiden sich von Land zu Land stark, also lieber lokal kaufen statt importieren.

Alle Materialien vor Baubeginn ausgebreitet

Schritt 2: Die Montagelöcher bohren

Das Loch für die Dose so nah wie möglich an einer bestehenden Steckdose bohren – wenn dort schon ein Leerrohr liegt, lässt sich das Kabel oft einfach durchziehen und man spart sich viel Ärger (bei mir hat das leider nicht geklappt, dazu gleich mehr). Vorher im Dachboden nachsehen, ob dort schon ein Leerrohr verläuft, bevor man sich auf eine Position festlegt.
Für das Loch selbst gibt es entweder eine Lochsäge oder eine Stichsäge. Ich habe die Stichsäge genommen, weil sich Fehler damit leichter korrigieren lassen.

Wer noch keinen Akkuschrauber/Bohrer und keine Stichsäge besitzt, sollte sich beide anschaffen – damit lässt sich fast jedes Heimwerkerprojekt stemmen.

Der Wanddurchbruch für die Dose wird ausgeschnitten

Meine Wände waren aus Gipskarton, das ging also gut auf – eine Handsäge hätte vermutlich auch funktioniert.

Die Dose verkabeln

Das Buchsenmodul im Set ist so gebaut, dass es in beiden Ausrichtungen funktioniert, was anfangs etwas verwirrend ist, aber der aufgedruckte Schaltplan auf dem Anschluss hilft weiter. Mein Kabel war zufällig nach „Typ B“ belegt, also bin ich dem Typ-B-Schema des Herstellers gefolgt – wer unsicher ist, welcher Typ vorliegt, findet auf der Hersteller-Website meist ein PDF mit dem Anschlussplan. Sind die Adern eingelegt, kürzen, das mitgelieferte Werkzeug bis zum Klick eindrücken, fertig.

Das Kabel zur Router-Seite verlegen

Nach dem Wanddurchbruch wollte ich das Kabel zu einer nahen Steckdose führen – nur lag dort gar kein Leerrohr, sondern nur eine blanke Leitung direkt durch die Wand. Da ließ sich nichts durchziehen.

Also Plan B: Zugang über den Dachboden. Jedes Haus hat irgendwo eine Revisionsklappe in der Decke – finden, Leiter aufstellen, reinklettern.

Die Revisionsklappe zum Dachboden finden

Da oben ist es auch tagsüber stockdunkel, eine Kopflampe ist also Pflicht, und mit einer vernünftigen Leiter ist der Aufstieg deutlich weniger heikel.

Im Dachbodenraum, beleuchtet von der Kopflampe

Oben angekommen war die Wand komplett mit Dämmmaterial vollgestopft – ich konnte nicht mal erkennen, wo die Steckdosenleitung verläuft. Ein Kabel blind runterzuhängen brachte nichts; ich musste tatsächlich in den Wandhohlraum hineinsehen können.

Die Endoskopkamera kommt ins Spiel – und eine unerwartete Wendung

Ich habe mir eine günstige WLAN-Endoskopkamera besorgt, um den Wandhohlraum zu erkunden, bevor ich mich weiter festlege.

Die Bildqualität war besser als erwartet – scharf genug, um die Beschriftung auf dem Kabelmantel zu lesen – mit eingebautem Licht für dunkle Ecken. Bei größerer Entfernung wurde sie etwas schwächer, aber für den Blick in eine Wand war sie mehr als ausreichend.

Endoskopkamera-Ansicht im Wandhohlraum

Und dabei kam etwas Wichtiges heraus: Das Loch, das ich bereits geschnitten hatte, lag direkt unter einem Fenster, und Ständerwerk auf beiden Seiten machte daraus eine Sackgasse. Das Loch war unbrauchbar – umsonst geschnitten.

Zeit für Plan C. Ich habe die Wand abgeklopft und auf den dumpfen Ton eines Ständers gegenüber dem hohlen Klang eines freien Hohlraums geachtet, einen freien Weg gefunden und ein zweites Loch geschnitten. (Das erste Loch wurde zur späteren Steckdosenöffnung umgewidmet und vorerst mit einer Blindabdeckung verschlossen.)

Das Kabel durch die mit Dämmung vollgestopften Hohlräume zu bekommen, klappte am besten, indem ich vom Dachboden aus ein steifes Bandmaß zwischen Dämmung und Wand nach unten schob und das Kabel dann daran hochzog, sobald das Bandmaß die Öffnung erreicht hatte.

Mit einem Bandmaß den Kabelweg durchfädeln

Das Bandmaß durchzuschieben war schon für sich Schwerstarbeit – ich habe zwischendurch immer wieder die Endoskopkamera genutzt, um die Position zu bestätigen.

Eine Warnung zur Glaswolle-Dämmung

Der Dachboden war voll mit Glaswolle-Dämmmatten. Die sieht weich aus, aber die Fasern sind überraschend scharf und gehen direkt durch die Kleidung in die Haut – nachdem ich mit bloßem Arm hineingegriffen hatte, um das Kabel durchzuziehen, hatte ich einen gereizten, juckenden Arm. Danach habe ich die Arme mit Klebeband umwickelt und Gummihandschuhe getragen. Glaswolle ist nicht giftig, aber der Juckreiz (vermutlich zusammen mit aufgewirbeltem Staub) macht keinen Spaß – Haut schützen, wenn im eigenen Dachboden solches Material verbaut ist.

Die Verkabelung auf der Router-Seite fertigstellen

Ist das Kabel endlich durch, wird es genauso wie vorher in die Dose eingelegt, dann die Abdeckung an die Wand geschraubt. Dazu eine Senkkopf-Holzschraube passend zu den Montagelöchern der Blende verwenden – bei mir waren 4 statt der üblichen 2 Schraubpunkte nötig, weil reiner Gipskarton eine Blende sonst nicht stabil genug hält.

Die fertig montierte Wandblende

Mit aufgesetzter Abdeckung sieht es wirklich aus wie eine Profi-Installation – eine schöne Erinnerung daran, wie gut durchdacht diese Standardteile eigentlich sind.

Patchkabel aus den Kabelresten anfertigen

Nach der Verkabelung habe ich aus den Resten der 30m-Rolle noch zwei kurze Patchkabel gemacht – Router-zur-Dose und Dose-zum-PC. Ein einfaches All-in-one-Crimp-Set (Zange, Abisolierer, Stecker, Koffer) ist der einfachste Einstieg.

Mantel abisolieren, die acht Adern exakt nach Standard sortieren (von links, Kontakte nach unten: weiß/orange, orange, weiß/grün, blau, weiß/blau, grün, weiß/braun, braun), vollständig in einen Stecker einführen, dann crimpen – der kniffligste Schritt ist, alle acht Adern gleichmäßig einzuführen, bevor gecrimpt wird. Bei mir hat es erst beim dritten Versuch gehalten.

Auf Verkabelungsfehler prüfen

Ein günstiger Kabeltester lohnt sich hier jeden Cent – ein falsch verkabeltes Kabel kann angeschlossene Geräte beschädigen, diesen Schritt also nicht überspringen. Fertiges Kabel einstecken, und der Tester lässt die Pins 1 bis 8 an beiden Enden der Reihe nach aufleuchten; jede Abweichung bedeutet einen Verkabelungsfehler. So lässt sich auch jede Wanddose einzeln prüfen, beide Enden aus der Distanz.


Zeit- und Kostenaufstellung

Gesamtzeit: etwa 4 Tage, verteilt auf freie Momente neben einem kleinen Kind zuhause – ein Tag Material besorgen, ein Tag Kabel verlegen, ein Tag Fehler korrigieren, ein Tag Abschluss und Test. Mit einem freien Wochenende ohne Nacharbeit wären wohl 2 Tage realistisch. Material kostete etwa 90€, Werkzeug etwa 160€ (wobei ich die meisten Werkzeuge schon besaß, meine tatsächlichen Ausgaben lagen also näher bei 90€ plus etwas).

Hat Cat6A wirklich etwas gebracht? Das Ergebnis

Vor dem Umbau hatte ich nur einen wackligen WLAN-Stick mit deutlich unter 10Mbps – wirklich furchtbar. Cat6A ist für bis zu 10Gbps spezifiziert.

Nach dem Anschließen habe ich einen Speedtest gemacht. Ergebnis: 746Mbps Download, 631Mbps Upload. Für den Alltag völlig ausreichend – aber ich hatte auf über 1Gbps gehofft, und das kam nicht. Zeit, dem Grund nachzugehen.

Erster Verdächtiger: der Onboard-Ethernet-Controller des Mainboards. Ein Blick ins Datenblatt eines solchen Boards zeigt, dass der integrierte Gigabit-Ethernet-Controller bei 1Gbps deckelt – plausibel, aber ich kam nicht mal an diese Grenze heran, also war das nicht der Hauptflaschenhals.

Der eigentliche Übeltäter war der Router. Mein bisheriger WiFi-6-Router wirbt mit schnellem WLAN, aber im Datenblatt steht: die kabelgebundenen LAN-Ports sind reine Gigabit-Ports – gedeckelt bei 1Gbps, ganz egal wie schnell das WLAN-Modul ist. Ich war davon ausgegangen, dass „WiFi 6“ auch schnelle LAN-Ports bedeutet. Fehlanzeige. Das war die ganze Zeit der Flaschenhals.

Router mit echtem Multi-Gig-Anschluss sind noch relativ selten und teurer – ein Modell mit dediziertem 2,5G-Port wäre das nächste logische Upgrade, sobald das Budget es hergibt. Aktuell sprengt das noch etwas den Rahmen, also bleibt das erstmal auf der Wunschliste.

Fazit

Echtes Multi-Gig-Tempo zuhause kostet spürbar Geld, wenn man Router, Mainboard-NIC und Verkabelung zusammenrechnet. Zwischen Material und Werkzeug lag ich insgesamt bei knapp unter 300€ – günstiger, als einem Elektriker für eine einzige Dose zu zahlen, und mit Werkzeug übrig fürs nächste Projekt. Mit all den Fehlbohrungen, Dämmwolle-Kratzern und Endoskop-Umwegen war es trotzdem ein richtig lohnendes Wochenendprojekt. Ich hoffe, das hilft, wenn du das Gleiche vorhast.

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